Kremmen_Rathaus_1 Kremmen_Naturlehrpfad_3

Als „Cremmene“ wird Kremmen im Jahre 1216 das erste Mal in den historischen Dokumenten erwähnt und erhielt 1298 die Stadtrechte. Der Ortsname entstammt dem Slawischen und bedeutet „Kieselstein“. Seit dem Jahr 1894 ist die Schreibweise „Kremmen“ amtlich eingeführt. Kremmen liegt am Südrand des oberen Rhinluchs, einer Landschaft mit Sumpfgebieten, Wasserläufen, Seen und weiten Wiesen. Als Stadt der Ackerbürger, Händler, Handwerker und Gewerbetreibenden war Kremmen prosperierender Mittelpunkt der Region. Aber Seuchen, Brände und kriegerische Auseinandersetzungen suchten die Stadt am Luch heim und stellten die Bevölkerung immer wieder erneut auf die Überlebensprobe. Zwei bedeutende Schlachten am Kremmener Damm, der damals wichtigsten strategischen Verbindung zwischen den beiden Ländchen Glien und Löwenberg, sind überliefert: Anfang des 14. Jahrhunderts um 1332 herrschten in Pommern die Herzöge Otto I. und Barnim III. Da sie keine Lehnsmänner der Brandenburger Markgrafen sein wollten, verbündeten sie sich mit den Herzögen von Mecklenburg und dem Grafen von Schwerin und zogen im Pommerisch-Brandenburgischen Krieg gegen Markgraf Ludwig V. von Brandenburg. Der Krieg dauerte von 1329 bis 1333 und gipfelte am 01. August in der ersten Schlacht am Kremmener Damm, die die pommerschen Herzöge für sich entschieden. Nach der verlorenen Schlacht wurde Ludwig V. durch seinen Vater, den Kaiser Ludwig IV. bewegt, den Frieden anzunehmen und seine Ansprüche auf Pommern fallen zu lassen. Im Jahre 1412 waren hier die Hohenzollern gegen die vordringenden Pommern siegreich; an diese Schlacht erinnert noch heute das Kreuz am Kremmener Damm. Gegen die Pest hatte die Ackerbürgerstadt im 17. Jahrhundert mehrmals zu kämpfen. Brandkatastrophen machten besonders in den Jahren 1606, 1630, 1680 und 1840 die Existenz vieler Kremmener zunichte. Oft waren Scheunen mit Futtermitteln und trockenen Lagerstoffen innerhalb des Stadtkerns die Ursachen für das Feuer. Deshalb gab es in der Mitte des 17. Jahrhunderts den kurfürstlichen Erlass, Scheunen künftig nur noch außerhalb der Stadtmauern zu errichten und diejenigen innerhalb des bewohnten Zentrums fortan als Stall zu nutzen oder zu Wohnzwecken umzubauen. So entstand das Scheunenviertel am Rande Kremmens, das heute deutschlandweit, wenn nicht gar europaweit, als das größte noch erhaltene historische Scheunenensemble dieser Art erachtet wird. Die vornehmlich mit Backsteinen errichteten Gemäuer haben eine besondere volkskundliche und ortsgeschichtliche Bedeutung für Kremmen und dokumentieren die bis in die jüngste Vergangenheit reichende vorherrschende Rolle der Landwirtschaft in dieser Region. Viele der einst über achtzig Scheunen zerfielen besonders im Laufe der letzten Jahrzehnte, aber noch sind etwa 50 Gebäude erhalten – an den meisten nagt bedrohlich der Zahn der Zeit, aber einige sind bereits reizvoll restauriert und beherbergen Künstler, Handwerker, Gastronomie u.v.m. Ein Schmuckstück des historischen Areals ist die Agrar- und Museumsscheune, die seit November 1999 der Öffentlichkeit zur Verfügung steht: als Museum mit Geräten aus Landwirtschaft und Haushalt früherer Jahre, als Galerie für Ausstellungen, Konzerte und Lesungen, als moderne Tagungsstätte für Präsentationen und Versammlungen. Mit dem Thema „Revitalisierung des historischen Scheunenviertels“ hat sich Kremmen im Jahr 2000 an der Weltausstellung EXPO beteiligt und weit über die Grenzen des Landes hinaus Beachtung und Interesse gefunden. Als Unterprojekt des anerkannten weltweiten Projektes „Im Spannungsverhältnis zwischen Metropole und Landschaft“ zeigte Kremmen gemeinsam mit anderen Städten beispielhaft und nachhaltig, wie Altes mit Neuem verbunden werden kann, Modernes mit Traditionellem zu verknüpfen ist und wie ländliches und städtisches Leben einander ergänzen kann. Kremmen feierte 1998 einen runden Geburtstag mit einem dreitägigen Fest und gab zu diesem Anlass eigens ein Buch heraus: 700 Jahre Stadt Kremmen – Wanderung durch Stadt und Geschichte. In höchst interessanter und unterhaltsamer Weise führen die Autoren den Leser durch die Jahrhunderte und dokumentieren, welche Lebendigkeit hinter der zuweilen verschlafen wirkenden Stadt steckt. Das einzigartige und begehrte Lesebuch wurde bereits wiederholt aufgelegt und ist dennoch stets ausvekauft; in der Stadtbibliothek kann man es glücklicherweise ausleihen. Der Trumpf der Region ist unzweifelhaft die Natur und die weite, beinahe unberührte Landschaft: Das Gebiet um Kremmen ist ein naturkundlich einzigartiges und bietet wertvollen Lebensraum für eine reiche Flora und Fauna. Dass die Luchwiesen um Kremmen einer der größten Kranichrastplätze im gesamten Land sind, ist weithin bekannt und zieht alljährlich viele Experten und Naturfreunde in die Region. Auch der Kremmener See mit seinem Naturlehrpfad, das wachsende Radwegenetz, die Wander- und Reitmöglichkeiten und nicht zuletzt die ausgewogene Gastronomie und gepflegten Übernachtungsmöglichkeiten sind Anziehungspunkte für viele Tagesgäste und Urlauber, die Ruhe und Erholung suchen.